#133 - Verstehen statt verbiegen - Kinder mit ADHS durch den Schulalltag begleiten
Shownotes
ADHS ist kein Erziehungsfehler – und trotzdem fühlen wir uns als Eltern oft so, als würden wir scheitern. Warum? Weil die morgendliche Stressspirale, Schulherausforderungen und fehlendes Wissen uns und unsere Kinder unter Druck setzen.
In dieser Episode spreche ich mit Melanie Klefeld, ADHS-Trainerin, Autorin und selbst neurodivergent. Gemeinsam tauchen wir tief ein in das Thema Schule & ADHS:
👉 Wie funktioniert ein ADHS-Gehirn wirklich? 👉 Welche Mythen rund um Medikation dürfen wir endlich loslassen? 👉 Welche kleinen, aber wirksamen Anpassungen helfen Kindern im Alltag? 👉 Warum Selbstregulation bei uns Eltern der Schlüssel ist.
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Melanie teilt sehr persönliche Einblicke in ihre eigene ADHS-Geschichte, ihre Schulerfahrungen und wie sie heute Familien, Schulen und sogar das Arbeitsamt berät. Wir sprechen über Hyperfokus, Spezialinteressen, überfordernde Reizfilter – und darüber, wie wertvoll es ist, die „Autobahnen“ unserer Kinder zu schützen.
Am Ende nimmst du konkrete Ideen mit, wie du dein Kind besser begleiten kannst – und vielleicht erkennst du dich selbst auch ein Stück darin wieder.
💡 Wichtigste Erkenntnis: ADHS ist kein Mangel an Wissen, sondern eine Herausforderung der Selbststeuerung – und genau da können wir ansetzen.
✨ „ADHS ist kein Erziehungsfehler. Wenn wir verstehen, dass es um Selbststeuerung und Reizverarbeitung geht, können wir unsere Kinder nicht verbiegen, sondern sie stärken.“
⚓️ Ich bin dein Anker und Leuchtturm – mit Herz, Expertise und einer Prise Humor, wenn es wieder mal wild wird. Deine Kiran
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Transkript anzeigen
00:00:00: "Das ist eben beides. ADHS ist kein Erziehungsfehler überhaupt nicht, dass unser Kind Schwierigkeiten hat,
00:00:07: zum Beispiel sich morgens anzuziehen und dass ein zweitgleichster Kind so viel Unterstützung braucht.
00:00:12: Das ist kein Erziehungsfehler. Landen wir jeden Morgen aber in der Stressspirale und werden uns selber ab,
00:00:18: werden das Kind ab, dann kann es das verschärfen und die Entwicklung eher hindern als unterstützen."
00:00:27: Willkommen bei meinem Podcast "Chaos, Herz und Wachstum", dem Familien-Podcast rund um die Schulzeit.
00:00:35: Mein Name ist Kieren, ich bin Ergotherapeutin, Familienberaterin, ADHS-Trainerin,
00:00:40: Embodiment-Coachin und vor allem Mensch und Mama von drei Kindern.
00:00:45: Mit meinem Podcast und meinen Beratungen bin ich dein Anker für stürmische Zeiten
00:00:51: und Leuchtturm um dein Kind und auch dich, bindungsstark durch die Wackelzahnproportät und die Schulzeit zu begleiten.
00:00:59: Gerade auch wenn eure Divergents bei euch in der Familie eine Rolle spielt. Schön, dass du da bist.
00:01:05: Herzlich willkommen zur neuen Folge "Verstehen statt verbiegen", wie wir unsere ADHS-Kinder eben gut durch die Schule begleiten können.
00:01:16: Die zweite Folge im neuen Kostüm. Ich mag euch ganz doll Danke sagen für die Rückmeldung von der ersten Folge.
00:01:23: Ich habe viele berührende Nachrichten von euch bekommen und ja, es war ein Wagnis.
00:01:29: Ich erzähle über meine eigene ADHS-Diagnostik und eben über die Trennung und mein Vertrauen ist belohnt worden. Danke.
00:01:38: Heute ist Melanie Klefeld, mein Gast, meine Gästin. Sie ist ADHS-Trainerin. Sie berät Eltern, Schulen, Kitas, sogar das Arbeitsamt.
00:01:48: Und sie ist absolute Expertin auf diesem Thema und ich freue mich richtig, richtig über das Gemeinsame reinnörden.
00:01:56: Am Ende dieser Folge wirst du nochmal verstehen, wie ein ADHS-Gehörn die Welt wahrnimmt
00:02:02: und warum deswegen eben die Schule an vielen Ecken und Enden eine große Herausforderung ist
00:02:08: und es wird in der Folge Tipps und Tricks geben, wie Schule besser für dein Kind funktionieren kann.
00:02:15: Wenn du Unterstützung haben möchtest in diesem Sturm, der oft entsteht,
00:02:20: rund um Schule ADHS, Noura de Vagens oder in eurem Familienleben, dann melde ich dich gerne.
00:02:25: Ich begleite dich gerne in meinem Coaching und mein Buch kannst du vorbestellen.
00:02:30: Starke Gefühle, starker Halt, Selbstregulation für dich und dein Kind.
00:02:35: Liebe Leute, für alle Neure der vergenden Familien ein unbedingtes Muss.
00:02:40: Wir sprechen auch in der Folge, wie wichtig Gefühlsregulation ist und für alle anderen Familien auch absolut wertvoll.
00:02:47: Liebe Melanie, wenn du einen Wunsch frei hättest, was würdest du an Schule verändern, damit sie besser für unsere Kinder mit ADHS passen würde?
00:02:56: Ich darf bestimmt nur eine Sache sagen.
00:03:01: Wir sind bei Wünsch dir was, du darfst mindestens drei Sachen sagen.
00:03:04: Das ist gut. Also als aller aller aller erstes würde ich dafür sorgen,
00:03:09: dass das Thema Neure dir ganz verpflichtend in allen Studiengängen ist
00:03:15: und auch in allen Ausbildungsberufen, ob das jetzt Erzieherin ist oder eben ja,
00:03:19: wenn man Lehrer werden möchte, dass erstmal alle gut mit Wissen versorgt sind,
00:03:25: weil ich mache halt auch so die Erfahrungen in meiner Arbeit,
00:03:28: dass ich eben auch mit Referendaren spreche, also die ja nun gerade frisch von einer Uni kommen
00:03:33: und die mir sagen, nee, also das ist maximal angeschnitten worden
00:03:38: und die kommen wirklich in die Schule und gehen davon aus, alle Kinder lernen auf die gleiche Art und Weise.
00:03:42: Und das ist ja schon die allergrößte Fehlannahme in dem Moment.
00:03:46: Und das wäre jetzt der zweite Wunsch, dass wir uns eben öffnen für neurodivergentes Lernen.
00:03:52: Also dass wir offener werden, dass eben nicht alle still sitzen müssen,
00:03:57: sondern dass es bewegte Möglichkeiten gibt zu lernen, dass es Stationslernen gibt,
00:04:02: dass man als Lehrkraft auch auf diese Bedarf besser eingehen kann.
00:04:06: Dafür bräuchte es aber auch mehr Personal, da wären wir beim dritten Wunsch.
00:04:09: Also das wäre dann das nächste, wo ich sagen würde, es geht einfach so nicht mehr weiter wie bisher,
00:04:15: dass man eine einzige Lehrkraft auf 20 bis 30 Kinder in die Klasse stellt.
00:04:21: Das kann so nicht funktionieren.
00:04:23: Also ich habe nun selbst zwei Jahre an einer Grundschule gearbeitet
00:04:26: und durfte dadurch eben feststellen, dass das ein Ding der Unmöglichkeit ist.
00:04:31: Also gerade, wenn man eben erkennt, habe ich im Vertretungsunterricht natürlich auch gehabt,
00:04:35: wenn gerade auch mehrere Kinder mit Zusatzbedarf in der Klasse sind
00:04:39: und da rede ich gar nicht nur von neurodivergenten Kindern,
00:04:42: sondern eben auch Kindern, die psychische Rucksäcke tragen, die belastete Familien haben,
00:04:47: die vielleicht andere körperliche oder seelische Besonderheiten mitbringen.
00:04:51: Sobald man sich einem Kind zuwenden möchte,
00:04:54: weiß man einfach, als Lehrperson in dem Moment fallen ganz viele andere hinten runter
00:04:59: und deswegen ist es unmöglich, sich dazu zu zerreißen.
00:05:02: Ja, auf jeden Fall.
00:05:04: Dein allererster Punkt, Wissen.
00:05:07: Wissen. Ich finde das auch unglaublich wichtig.
00:05:10: Hoffentlich hören hier Lehrkräfte mit.
00:05:12: Gleichzeitig hören ja auf jeden Fall Eltern mit
00:05:14: und auch für uns Eltern ist es unglaublich wichtig.
00:05:17: Was müssen wir wissen?
00:05:20: Wie läuft das neurodivergente Gehirn sozusagen anders beim Lernen?
00:05:25: Vielleicht auch da, was sind deine zwei, drei wichtigsten Punkte?
00:05:30: Ja, um zu verstehen, dass das neurodivergente Hirn anders lernt.
00:05:34: Also das betrifft jetzt letztendlich auch gar nicht nur die neurodivergenten Kinder,
00:05:40: weil ich finde, es muss allgemein meine Generalüberholung des Schulsystems her,
00:05:46: weil ADHS zum Beispiel ist ja auch immer im Gesamtkontext zu sehen
00:05:51: und die Kinder, die ADHS haben, die autistisch sind,
00:05:56: da ist es eben so, wenn sie in einer Umgebung sind, wo sie Interesse am Thema haben,
00:06:00: wo sie auf ihre Weise lernen können, dass das da flutscht.
00:06:03: Also das bemerkt man dann ja immer wieder,
00:06:05: dass sie auch in manchen Unterrichts fächern, zum Beispiel Sachunterricht,
00:06:08: da haben sie ein Thema, was sie total interessiert.
00:06:10: Da geht es vielleicht gerade um Planeten, da können sie sich ohne Probleme konzentrieren.
00:06:13: In der nächsten Stunde ist Deutsch, da geht auf einmal gar nichts mehr
00:06:16: und die Lehrkräfte denken dann, ja, was ist denn jetzt los?
00:06:18: Eben ging es doch auch so nach dem Motto.
00:06:20: Und das betrifft natürlich nicht nur neurodivergenten Kinder.
00:06:23: Alle Menschen lernen am besten, wenn sie, also mit einem Thema,
00:06:27: sich befassen gerade, wo so ihr Interesse liegt, wo sie merken,
00:06:31: das hat Sinn, davon habe ich später was.
00:06:33: Das trägt nicht wirklich, als wenn sie einfach nur frontal
00:06:36: mit irgendwas beschallt werden.
00:06:38: Grundsätzlich, was man eben wissen sollte,
00:06:41: ist, dass gerade neurodivergenten Kinder aber in sofern anders lernen,
00:06:46: als dass sie häufigere, kürzere Wiederholungen brauchen.
00:06:50: Also, dass sie zum Beispiel, das sage ich auch den Eltern für die Hausaufgabenzeit,
00:06:54: dass man sagt, okay, wir setzen uns heute nachmittag nicht eine ganze Stunde hin
00:06:59: zum Vokabeln lernen, sondern wir machen das dreimal für zehn Minuten
00:07:03: und verteilen die über den Nachmittag.
00:07:05: Das bleibt dann oft schon viel besser hängen, als wenn man eben diese Lernmarathons macht.
00:07:10: Und das betrifft natürlich das Lernen in der Schule auch.
00:07:13: Und was natürlich auch ein Fakt ist von neurodivergenten,
00:07:16: ist die Reizvorfilterung, also dass wir als Lehrpersonen dann eben auch
00:07:21: schon viel tun können, indem wir gucken, wo setzen wir ein Kind mit ADHS
00:07:26: oder ein autistisches Kind hin.
00:07:28: Ich empfehle auf den Lehrkräften Fortbildung,
00:07:30: erst mal auszuprobieren, wie es mit der ersten Reihe läuft,
00:07:34: also mit der ersten Sitzreihe.
00:07:36: Das ist überhaupt nicht als Strafe gedacht, sondern eben als absolute Hilfe,
00:07:39: dass man schon mal Reise vorsortiert, dass nicht mehr so viele Kinder vor dem Kind sitzen,
00:07:44: sodass es halt die ganze Zeit zu beobachten kann, wer macht da was,
00:07:49: wem fällt gerade was runter, sondern dass der Blick schon mal frei ist.
00:07:53: Ansonsten könnte man eben auch mit Einzeltischen arbeiten,
00:07:56: mit Sichtschutzwänden oder eben auch diesen Mickey Mouse-Kopfhörern.
00:07:59: Das sind ja oft zu helfen, wo dann die Lehrkräfte nach den Fortbildungen sagen,
00:08:03: das sind ja eigentlich Kleinigkeiten.
00:08:06: Also die kosten nix oder nicht die Welt.
00:08:09: Und man kann damit das Lernen erheblich besser machen,
00:08:12: weil ja eben ADHS auch so ein Reizfilterproblem ist unter anderem.
00:08:17: Ganz genau. Und du hast total recht.
00:08:19: Also ich spring gerade nochmal auf deine erste Antwort,
00:08:22: sozusagen, dass die also sehr Interessen geleitet lernen,
00:08:27: was alle Kinder machen, aber dass wir eben auch verstehen,
00:08:30: tatsächlich durch dieses Dopamin und ADHS ist ja nicht das Problem,
00:08:35: dass Kinder mit ADHS sich nicht konzentrieren können.
00:08:38: Im Gegenteil, wenn die im Hyperfokus sind,
00:08:40: probieren, ein Kind aus dem Hyperfokus rauszubekommen, herzlichen Glückwunsch.
00:08:44: Ebenso dann diese Steuerung.
00:08:46: Und das fällt natürlich in Schule total auf.
00:08:49: Dann ist das Steuerungsproblem, wo richtig mein Fokus hin.
00:08:53: Und dann den anderen Punkt, den du gesagt hast, ja die vielen Reize,
00:08:58: die viel Ungefilderte reinkommen.
00:09:01: Und dann hat man da eigentlich den Salat.
00:09:03: Ein ganz reizoffenes Gehirn, was sehr gut ist im Interessenfokus.
00:09:12: Und Schwierigkeiten hat, den Fokus dahin zu richten, wo das Interesse nicht ist.
00:09:17: Genau. Also wenn man ADHS in einen Satz zusammenfassen will,
00:09:22: kann man ja auch sagen, es ist ein Selbstregulationsproblem
00:09:24: und zwar ein jeglicher Hinsicht.
00:09:26: Das heißt, die Kinder brauchen einfach länger als andere Kinder Hilfe
00:09:29: bei der Selbststeuerung.
00:09:31: Und wir können da von dem 1. oder 2. oder 3. oder 4. Klassler
00:09:34: oder auch später noch teilweise nicht so erwarten.
00:09:37: So, jetzt setz dich hin und konzentrier dich mal.
00:09:39: Und da sind wir dann schon wieder bei einem anderen Punkt,
00:09:41: der eben auch damit reinsteht, den ich auch in den Fortbildungen
00:09:43: sehr ausführlich auch erkläre, was das Thema Stimming angeht.
00:09:47: Also ich höre immer wieder auch von Eltern,
00:09:49: dass ihre Kinder nicht mal kleinste Stimminghilfen
00:09:52: wie Akkupressur, Fingerringe oder kleinste Quetschbälle benutzen dürfen,
00:09:57: weil sie dann eben gesagt bekommen,
00:09:59: "Ja, aber du hältst gerade eine Referaten, pack das mal weg."
00:10:02: Und stelle dich mal gerade jetzt hin
00:10:04: und guck auch mal alle an, wenn du sprichst.
00:10:06: Also dieser Augenkontakt wird ja dann auch sehr hoch bewertet
00:10:10: und das Stimming soll bitte unterlassen werden,
00:10:12: aber dann bitte auch noch möglichst volle Konzentration dabei.
00:10:15: Und das widerspricht sich.
00:10:16: Also wir müssen eben da auch verstehen,
00:10:19: dass neurodivergente Kinder diese Stimulation im Hintergrund
00:10:23: einfach auch ein Stück weit brauchen,
00:10:25: um Konzentrationen herstellen zu können.
00:10:27: Und das ist eben das, was in ganz vielen Schulen
00:10:30: einfach auch leider noch nicht so angekommen ist,
00:10:33: wo Kinder dann durch solche Kleinigkeiten,
00:10:35: die sie dann da zeigen, schon ja von Mitschülern
00:10:39: oder eben auch Lehrkräften zurechtgewiesen werden
00:10:41: und im Negativfokus stehen.
00:10:44: Ja, und gleichzeitig,
00:10:46: und da kann ich jetzt eben auch diese Schritte,
00:10:48: wo du sagst, es muss wissen hin, wenn wir mehr verstehen
00:10:51: und vielleicht ist das auch ein Schritt,
00:10:53: den wir Eltern dann manchmal machen können,
00:10:55: den Lehrkräften nochmal erklären.
00:10:57: Es geht um die Steuerung oder die Reizfilterung.
00:11:02: Also als Ergotherapeutin, das sind ja auch genau die Themen,
00:11:05: wo ich mit dran arbeite.
00:11:07: Und so hast du auch gemeint, Regulation ist das große Thema.
00:11:11: Ganz genau, es kommt bei mir jetzt bald das Buch raus.
00:11:14: "Starke Gefühle, starker Halt,
00:11:16: Selbstregulation für dich und dein Kind".
00:11:18: Also ich bin da auch voll im Thema.
00:11:20: Und ja, bei ADHS ist es noch wichtiger und noch wertvoller,
00:11:26: dieses Thema reinzunehmen.
00:11:29: Und dass wir das eben verstehen und dass wir dann,
00:11:32: ich finde das selbst manchmal als Mutter
00:11:34: vom Neurodevegenten-Kind herausfordernd,
00:11:37: mich immer wieder zu erinnern.
00:11:39: Ja, da kann mein Kind sich super konzentrieren,
00:11:41: super sich strukturieren, super selbstständig sein.
00:11:44: Weil das ein Hyperfokus-Thema ist.
00:11:46: Dann gibt es ein Thema, was überhaupt nicht im Hyperfokus ist,
00:11:51: was eigentlich viel niederschwelliger ist.
00:11:54: Und das ist viel schwieriger.
00:11:57: Ich habe eine Klärmgeschichte tatsächlich.
00:12:00: Ich verfälsch sie ein bisschen,
00:12:02: weil es, dass das Kind sich auch nicht erkennt,
00:12:05: ein sehr hohen IQ.
00:12:08: "Schulisch tippi topi".
00:12:11: Sagt der Papa, morgens findet ihr schon, erinnert,
00:12:15: es ist schon ein bisschen schwierig,
00:12:17: das Kind immer dran zu erinnern, Unterwäsche zu wechseln.
00:12:20: Und sagt jeden Morgen,
00:12:21: kannst du dir bitte eine neue Unterhose anziehen.
00:12:23: Und das Mädchen sagt, ja, mache ich.
00:12:25: Und der Altvater denkt,
00:12:26: muss ich dieses schlaue Kind immer noch erinnern,
00:12:28: Unterhose zu wechseln.
00:12:29: Am Ende der Woche soll das Kind duschen
00:12:31: und dann halt das sieben Unterhosen hat.
00:12:34: Ach, der Vater hat vergessen,
00:12:36: sagen sie auch, die hat rausgezieht.
00:12:38: Ja, das sind eben oft so diese feinen Unterschiede.
00:12:41: Also es ist ja auch so,
00:12:43: das sage ich ja auch ganz oft in den Eltern-Trainings.
00:12:46: ADHS ist keine Wissensdefizitstörung grundsätzlich.
00:12:49: Sie wissen in der Regel schon, wie die Dinge funktionieren.
00:12:53: Wenn sie sie nicht umgesetzt bekommen,
00:12:55: hat das oft kommunikative Ursachen.
00:12:58: Die Faustregel bei ADHS ist meiner Meinung nach
00:13:02: auch in der Kommunikation.
00:13:04: Je mehr wir labern, desto weniger kommt an.
00:13:06: Also wir müssen auch gucken,
00:13:08: das ist auch ein Teil in der Fortbildung,
00:13:10: wie kommunizieren wir mit neurodivergenten Kindern,
00:13:12: dass sie auch wissen,
00:13:13: was wir von ihnen verlangen in dem Moment einfach.
00:13:16: Und manche Eltern fragen sich nämlich,
00:13:18: ja, aber mein Kind ist so schlau,
00:13:20: oder kriege ich die einfachsten Dinge nicht?
00:13:22: Ja, das hat aber seine Gründe.
00:13:24: Also gerade, wenn wir beim Thema exekutive Dysfunktionen sind,
00:13:27: das heißt ja, wie gut ich mich plan,
00:13:30: selbst strukturieren, organisieren kann,
00:13:32: zeit einschätzen, zeit einteilen.
00:13:35: Wie selbstständig ich bin,
00:13:37: mich morgens fertig zu machen, anzuziehen,
00:13:39: Szene zu putzen und pünktlich aus dem Haus zu gehen.
00:13:41: Da wird ja schon morgens, ganz früh,
00:13:44: dieser ganze Bereich der Exekutivfunktion stark beansprucht.
00:13:47: Und da ist eben dann oft in der Schule
00:13:50: oder auch zu Hause gerade für uninteressantere Dinge
00:13:53: nicht mehr so viel Ressource da,
00:13:55: wenn das schon im Vormittagsbereich so verbraten wurde,
00:13:58: die ganze Kapazität.
00:14:00: Und dann können eben auch einfachste Dinge
00:14:02: teilweise nicht gelingen.
00:14:04: Und das hatte gar nichts damit zu tun,
00:14:06: dass die Kinder es nicht an sich wissen, wie es ginge,
00:14:08: sondern dass sie dann eben Probleme haben,
00:14:10: das Wissen, was sie haben, umzusetzen.
00:14:12: So, und ja, das ist letztendlich auch die Selbststeuerung wieder, ne?
00:14:16: Die Selbststeuerung.
00:14:18: Und da ist auch ein Punkt,
00:14:20: in den Beratungen erlebe ich dann häufig,
00:14:22: sagen wir, machen wir ja fiktig,
00:14:24: ein zweitklässler Kind,
00:14:26: hat eben genau diese Schwierigkeiten morgens.
00:14:29: Die Eltern müssen es wecken,
00:14:31: ins Bad tragen, dort anziehen,
00:14:34: beim Zähneputzen unterstützen,
00:14:36: wieder irgendwie zum Frühstückstisch springen und so.
00:14:39: Und dann passiert leicht im anderen Kontext,
00:14:43: so, ihr müsst ja nur,
00:14:46: also das ist so der Fehler bei den Eltern gesucht.
00:14:49: Wenn ihr nicht klar seid, ein zweitklässler kann doch,
00:14:52: also das ganz schnell das erzieherisches Versagen ist.
00:14:58: Was sagst du dazu?
00:15:00: Ist ADHS eine Versagen der Erziehungsfähigkeit der Eltern?
00:15:04: Nein, nein.
00:15:06: ADS ist kein Erziehungsfehler.
00:15:08: Natürlich müssen wir realistischerweise sagen,
00:15:11: dass die Erziehungshaltung der Eltern
00:15:13: schon durchaus eine größere Rolle ausspielt
00:15:16: in der Symptomausprägung so.
00:15:19: Damit sage ich jetzt nicht, ein Kind, was eine starke ADS hat,
00:15:21: da haben die Eltern dann versagt,
00:15:23: sondern häufig passiert was,
00:15:25: was ich auch aus eigener Erfahrung
00:15:27: und aus meiner eigenen Familie kenne.
00:15:29: Ja, Hörer, die mich schon kennen,
00:15:31: die wissen auch, dass ich ja selbst ein Betroffenes Kind habe.
00:15:33: Und bevor wir damals alle wussten,
00:15:35: ich bin ja nun selbst auch betroffen,
00:15:37: also ich habe ADS und auch Autisten,
00:15:39: bevor ich das damals alles wusste,
00:15:41: hat mich das Verhalt meines Sohnes
00:15:43: wirklich hilflos und verzweifelt gemacht.
00:15:46: Ich konnte das Verhalt meines Sohnes nicht gut einordnen,
00:15:49: nicht gut aushalten, war selbst sehr impulsiv,
00:15:51: sehr ungeduldig, bin auch das Öfteren
00:15:54: dann mal übergeschnappt
00:15:56: und habe seinen Verhalten dann noch negativ bewertet,
00:15:59: habe dann ihnen auch dafür ausgeschimpft, wie auch immer.
00:16:03: Das heißt in Familien, wo Kinder mit ADS sind
00:16:06: und auch wo ja eben häufig auch
00:16:08: ein Elternteil selbst ADS hat, auch oft unerkannt,
00:16:11: da entsteht häufig so eine negative Verstärkerbilanz.
00:16:14: Das heißt, das Kind verhält sich auf die und die Weise.
00:16:17: Die Eltern haben dann schneller den Fokus auf den Negativen.
00:16:21: Das, was gut läuft, was durchaus auch da ist,
00:16:24: aber was man dann auch schnell nicht mehr sieht,
00:16:26: wenn man das Gefühl hat, man muss ständig nur schimpfen,
00:16:29: das fällt dann eben hinten runter.
00:16:31: Und die Kinder geraten dadurch in Stress
00:16:33: und müssen uns einfach vor Augen halten,
00:16:35: dass Stress wiederum immer die ADS-Symptome auch verschlechtert.
00:16:39: Also wenn ich unter Stress stehe
00:16:41: und wenn ich das Gefühl habe, ich kann hier gar nichts mehr richtig machen,
00:16:43: dann werde ich noch Paddeläger, sage ich jetzt mal,
00:16:45: auf Norddeutsch, das kenne ich ja von mir selber auch.
00:16:48: Hier ist immer so ein zwinkendes Auge mit dabei.
00:16:50: Wenn ich gestresst bin, werde ich fahrig.
00:16:53: Also dann gelingt mir vieles eben nicht mehr so gut.
00:16:56: Und das ist bei Kindern eben auch so.
00:16:58: Und das ist ja auch wieder was, was man in der Schule dann merkt.
00:17:01: Also je mehr die Lehrkräfte negative Rückmeldungen geben
00:17:04: und jetzt sitzt doch mal still und jetzt reist dich doch mal zusammen
00:17:07: und du sollst dich jetzt auf diese Aufgabe hier konzentrieren,
00:17:09: was die Kinder eigentlich auch wissen,
00:17:11: aber gerade vielleicht nicht anwenden können.
00:17:13: Je weniger wird ihnen das gelingen.
00:17:15: Und deswegen ist Wissen, um da jetzt nochmal zurückzukommen,
00:17:20: wirklich der Dreh- und Angelpunkt.
00:17:23: Also das Wissen, was die Eltern haben, was die Lehrkräfte haben,
00:17:26: was die Erzieherinnen haben, die am Kind dran sind,
00:17:29: ist der Dreh- und Angelpunkt.
00:17:31: Denn wir können über unsere Haltung
00:17:33: wirklich auch einen positiven Einfluss nehmen
00:17:35: auf die ADHS-Symptomatik des Kindes.
00:17:37: Ja, das ist eben beides.
00:17:39: Ja.
00:17:44: ADHS ist kein Erziehungsfehler.
00:17:47: Überhaupt nicht, dass unser Kind Schwierigkeiten hat,
00:17:50: zum Beispiel sich morgens anzuziehen
00:17:52: und dass ein zweitgleister Kind so viel Unterstützung braucht.
00:17:54: Ist kein Erziehungsfehler.
00:17:56: Landen wir jeden Morgen aber in der Stressspirale
00:17:59: und werden uns selber ab, werden das Kind ab.
00:18:02: Dann kann es das verschärfen und die Entwicklung eher hindern,
00:18:07: als unterstützen.
00:18:09: Und da ist dann wieder, was du auch vorher sagtest,
00:18:12: genau die Selbstregulation.
00:18:14: Von sich selber ja, Regulation, Stress rausnehmen.
00:18:17: Ein wichtiger Punkt.
00:18:20: Und ja, auch da knüpft sich schon wieder an,
00:18:22: wo ich genau an das Buch denke,
00:18:25: was ich gerade geschrieben habe, wo es genau darum geht.
00:18:28: Du hast doch auch geschrieben, oder?
00:18:30: Ja, ich habe auch ein Buch geschrieben, genau.
00:18:32: Das ist gerade eine Bearbeitung.
00:18:33: Von daher darf ich gerade noch nichts wirklich dazu sagen.
00:18:36: Aber auch das wird in meinem Buchthema sein.
00:18:39: Da führt kein Weg dran vorbei am Thema
00:18:42: Selbstregulation der Eltern.
00:18:44: Ich habe es in den Eltern-Training auch immer wieder,
00:18:47: dass die Eltern sagen, unser Kind hat Probleme mit starker Wut.
00:18:52: Was können wir machen, dass es bei unserem Kind besser wird?
00:18:55: In erster Linie gucken wir uns an,
00:18:57: wie gehen die Eltern selbst mit Wut um?
00:19:00: Wie gehen die Eltern damit um, wenn das Kind in seiner Wut ist?
00:19:03: Wir können nicht jeden Meltdown vermeiden.
00:19:05: Wir können auch nicht.
00:19:07: Das ist in den Ferien teilweise häufig das hier auch.
00:19:10: Aber ich kann ganz viel daran tun,
00:19:13: wie ich damit umgehe als Mutter, als Vater.
00:19:16: Und wir tragen ja als Eltern häufig auch
00:19:19: unsere eigenen Päckchen mit.
00:19:21: Wir sind auch auf eine gewisse Art und Weise großgezogen worden.
00:19:24: Wir haben vielleicht selbst eine Neurodivergenz.
00:19:26: Und von daher lohnt es sich immer erst mal zu gucken,
00:19:28: wie sieht es dann bei mir aus in meiner Selbstregulation?
00:19:31: Weil wenn wir bei dem Wort "Koregulation" sind,
00:19:33: dann bedeutet "Koregulation" letztendlich nichts anderes,
00:19:36: als dass ich meinem Kind von meiner Reguliertheit etwas abgebe.
00:19:41: Wenn ich die aber nicht habe, und die haben wir eben oft nicht,
00:19:44: weil stressiger Alltag, Job, Kinder zerreißen uns,
00:19:47: Kinder krank, wie selber vielleicht auch noch,
00:19:49: dann ist da nicht mehr viel zu holen.
00:19:51: Und da kann man aber trotzdem einiges tun,
00:19:54: um sich da selbst besser aufzustellen
00:19:56: und darüber dann auch sein Kind zu regulieren.
00:19:58: Sehr spannend.
00:20:00: Wenn man ein bisschen rauskriegt in dein Buch,
00:20:02: geht es um ADHS und nicht nur um die Kinder,
00:20:04: sondern auch um die Eltern.
00:20:06: Auch um die Eltern, genau.
00:20:08: Auch um die Eltern.
00:20:10: Ab wann, weil darf ich denn mehr wissen?
00:20:12: Ja, wahrscheinlich ab Oktober.
00:20:14: Bis das Buch erscheint, dauert es noch.
00:20:16: Es wird im Februar erscheinen, Februar 2026.
00:20:19: Und wird man dann natürlich bei meinem Instagram-Account
00:20:21: auch mehr erfahren, wann es vorbestellbar ist
00:20:23: und was das konkrete Thema sein wird.
00:20:25: Auf jeden Fall ist das ein relevantes Thema
00:20:27: für sehr viele Familien.
00:20:29: Darfst du schon sagen,
00:20:31: eher für Babyfamilien
00:20:33: oder Schulfamilien?
00:20:35: Ja, eher für die größeren.
00:20:37: Ja, für die größeren.
00:20:39: Sehr schön, da wissen wir das schon wieder ein bisschen.
00:20:41: Also, im Oktober, am 22.
00:20:43: kommt Mainz erstmal raus
00:20:45: und dann im Oktober erfahren wir dann
00:20:47: wieder noch spezifischer,
00:20:49: was du da jetzt rund um ADHS hast,
00:20:51: für die Regulation.
00:20:53: Ich bin auch sehr neugierig.
00:20:55: Ja, also, du kannst dich drauf verlassen.
00:20:58: Es fällt mir am schwersten,
00:21:00: dass ich gar nichts sagen darf im Moment.
00:21:02: Die Pulssteuerung der ADHS,
00:21:04: vielleicht kriege ich es ja,
00:21:06: doch vielleicht knack ich dann in die Pulssteuerung.
00:21:08: Ja, also, wenn es da mir ging,
00:21:10: ich würde gleich am liebsten alles erzählen,
00:21:12: das wäre auch meiner Meinung nach am besten schon
00:21:14: vorgestern erschienen, aber ein Buch,
00:21:16: wo man so sein ganzes Herz steckt,
00:21:18: das weißt du ja selber,
00:21:20: wo man sein ganzes Herzblut reinfließen lässt,
00:21:22: es braucht eben seine Weile,
00:21:24: bis es dann fertig ist und bis alles stimmt
00:21:26: und genau die Zeit wollen wir ihm auch noch
00:21:28: ein bisschen geben.
00:21:30: Ja, absolut.
00:21:32: Ich habe ja vor über 20 Jahren
00:21:34: meine Ergotherapieausbildung gemacht
00:21:36: und ich habe tatsächlich noch gelernt,
00:21:38: ADHS ist eher eine
00:21:40: Jungserkrankung,
00:21:42: sozusagen.
00:21:44: Und gerade in der Schule,
00:21:46: wenn uns Wissen fehlt,
00:21:48: fallen ja eher die Jungs auf.
00:21:50: Jetzt weiß ich von deinem Instagram-Account auch,
00:21:52: du hattest ja auch schon als Kind,
00:21:54: ADHS.
00:21:56: Mein ADHS zeigt es sich tatsächlich
00:21:58: eher, also nicht so
00:22:00: ganz weiblich typisch, aber du erzählst gerne,
00:22:02: du bist
00:22:04: sozusagen noch unerkanter,
00:22:06: du warst nicht die wilde Hilde,
00:22:08: die über die Tischebänke gegangen ist.
00:22:10: Wie hat sich dein ADHS in der Schule
00:22:12: gezeigt?
00:22:14: In der Schule war ich sehr angepasst
00:22:16: und sehr still, also ich war
00:22:18: sehr leicht irritierbar, ich weiß noch,
00:22:20: dass ich eigentlich in meiner ganzen
00:22:22: Badewanne voll geweint habe.
00:22:24: Mir war eigentlich das liebste, mich spricht niemand an.
00:22:26: So, wenn man mich angesprochen hat,
00:22:28: war ich sehr kreditempfindlich,
00:22:30: konnte das nicht gut ab,
00:22:32: habe deshalb ja gerade in der Grundschule
00:22:34: wirklich darauf geachtet, dass alles möglichst perfekt ist,
00:22:36: aber habe dafür einen großen Preis bezahlt.
00:22:38: Also ich habe mich halt sehr,
00:22:40: sehr der Versuch zusammenzureißen.
00:22:42: Ich habe diese hyperaktive,
00:22:44: unruhige Komponente war bei mir
00:22:46: absolut noch innen gerichtet. Also ich war
00:22:48: nach außen hin, weiß ich noch
00:22:50: von den Formulierungen im Zeugnis und auch
00:22:52: das, was meine Grundschullehrerin damals gesagt hat,
00:22:54: war einfach nur der sensible Maus.
00:22:56: Also ja, absolut
00:22:58: ein sensibelchen und
00:23:00: habe sich auch schon durchaus Sorgen gemacht
00:23:02: in der Schule, konnte aber natürlich keiner
00:23:04: so wirklich zuordnen. Und diese
00:23:06: innere Unruhe, die ich hatte,
00:23:08: die hat sich wirklich innerlich
00:23:10: Also ich hatte immer blutig gebissene Wangen gehabt von innen, also ich hatte immer auf
00:23:17: meinen Wangen gekaut, bis ich wirklich nur noch Blutgeschmack im Mund hatte und ich
00:23:22: habe, glaube ich, keinen einzigen Schultag in meinem Leben ohne Übelkeit verbracht.
00:23:26: Also mir war immer sehr übel, ich hatte mit 13 Jahren meine erste Magenspiegelung, weil damals
00:23:30: eben keiner wusste, was hat die denn? Das war so das, das ist sich immer auf körperlicher Ebene
00:23:35: niedergeschlagen hat, dieser massive Druck, den ich innerlich hatte. Ja krass. Das ist ja auch berührend,
00:23:43: das normal zu hören und gleichzeitig, wenn wir halt den Blick auf unsere Kinder in der Schule
00:23:49: haben und da mag ich tatsächlich, das kenne ich auch aus den Beratungen, sicherlich ist es manchmal
00:23:55: ein schwieriger auch die Lehrkräfte anzusprechen und sagen, ich glaube hier spielt ADAS eine Rolle,
00:24:00: weil wenn man das Kind hat, was wild über die Tische geht, also die gibt es. Absolut. Aber es gibt
00:24:08: auch die Kinder mit ADAS, wo dieses H ja sozusagen nicht nach außen über die Tische geht, sondern so
00:24:15: wie du sehr eindrücklich beschrieben hast, nach innen geht und da auch zu leid führt und die Kinder
00:24:22: eben genauso die Unterstützung brauchen. Absolut. Eine Unterstützungsmöglichkeit sind
00:24:30: ja Medikamente. Häufig wird gesagt oder ein Mythos ist im letzten Augenblick das Kind mit
00:24:38: Medikamenten stillzulegen, aber eher nicht. Was sagst du dazu? Ja, also das ist natürlich ein
00:24:45: extrem kontrovers diskutiertes Thema. Da liebe ich natürlich auch immer wieder, ich würde fast
00:24:49: sagen 70 Prozent der Eltern, die sich an mich wenden, haben Sorgen und Bedenken bezüglich der
00:24:55: Medikation sind verunsichert von irgendwelchen Aussagen in der Familie, ihr könnt doch nicht und
00:25:00: was habt ihr davor und das geht ja wohl gar nicht. Letztendlich, ich werde natürlich auch
00:25:06: aufgefragt, ja geht es denn nie ohne und das erzähle ich auch recht häufig, weil das einfach so
00:25:11: so ein Punkt ist, wo ich dann oft sage, na ja es geht immer ohne, geht in Anführungszeichen, wenn
00:25:17: man für sich mal definiert, was heißt denn "gehen" für uns, also zu welchem Preis geht es denn ohne,
00:25:23: welchen Preis zahlt mein Kind dafür, dass es ohne geht, welchen Preis zahlen wir als Eltern, als
00:25:28: Familie, dann oft durch eine stärkere ADHS-Symptomatik, was man eben nicht außer Acht lassen darf,
00:25:35: das erste, was zu Bruch geht, ist in der Regel das Selbstwertgefühl des Kindes durch diese
00:25:39: ganzen negativen Rückmeldungen, durch aber nicht nur von wegen ja ich habe dies nicht gemacht,
00:25:46: habe das nicht gemacht oder das habe ich falsch gemacht oder das, sondern wir haben ja bei ADHS
00:25:50: bei vielen Kindern eine deutlich erkennbare Reifungsverzögerung auf sozioemotionaler Ebene
00:25:57: und das ist ja auch gut belegt, dass eben man durchaus vom echten Alter des Kindes um die
00:26:03: 30% durchschnittlich abziehen muss, um das echte sozioemotionale Reifereilte zu ermitteln und
00:26:10: als selbst betroffene Person kann ich sagen, das merkt nicht nur das Umfeld, das merkt man auch
00:26:15: selber, also dass man irgendwie anders ist und mit diesem Gefühl, dass irgendwie anders seins und
00:26:20: das täglichen Spürens, dass man das, was man eigentlich im Kopf hat, nicht angewandt kriegt,
00:26:28: das ist so zerstörend für ein Selbst, dass man immer wieder in Situationen kommt, die man erklären
00:26:34: soll, die man aber nicht erklären kann, weil man selbst keine Ahnung hat, warum habe ich XY gemacht
00:26:38: oder nicht gemacht. So und deswegen muss man da, also es gibt da nie so diese pauschale Antwort,
00:26:44: Medikationen ja oder nein, sondern man sollte dann, wenn man da nicht sicher ist, immer auf die
00:26:48: Wachschale packen, was zahlen wir schon, was zahlt mein Kind jeden Tag dafür, dass es eben diese
00:26:54: Unterstützung nicht hat und was hätten wir zu verlieren, wenn wir es einfach mal ausprobieren
00:26:59: würden. Dann die Medikation zaubert ja nicht, also Mathe hätte mir wahrscheinlich auch mit
00:27:04: Medikation keinen Spaß gemacht, es war einfach nicht beim Fach und ich glaube,
00:27:07: eine Medikation hätte damals nichts daran geändert und auch jetzt, wo ich selbst eine
00:27:13: Medikation nehme, man wachst einen Alter, muss ich sagen, auch mit Medikationen fällt mir das
00:27:17: Wäsche machen, nicht unbedingt leichter oder macht mir sogar Spaß oder so was, aber was man
00:27:23: wirklich sagen kann, man tut Dinge dann einfach so, ohne dass sie diese wahnsinnigen Ressourcen
00:27:29: fressen und ohne dass man danach sich erst mal eine halbe Stunde erschöpft, auch so verlegen muss
00:27:33: und diese Erfahrung, dass Dinge leichter von der Hand gehen, dass das Lernen im Kindesalter auch
00:27:40: nachhaltiger stattfindet, dass man zuverlässiger auch sein Wissen auch zugreifen kann. Das ist
00:27:48: was, was natürlich ein schützender Faktor fürs Selbstwertgefühl auch sein kann, wenn man
00:27:52: sich selber wieder trauen kann. Und deswegen ist es immer so eine Abwägungssache, aber letztendlich
00:27:58: zu verlieren hat man nicht viel und was ich den Eltern halt auch immer mitgebe, ist, dass es ja
00:28:03: ein Versuch ist. Also in dem Moment, wo man sagt, also das haut hier nicht hin, dann kann man eventuell
00:28:08: den Wirkstoff wechseln und wenn man dann sagt, nee, der haut auch nicht hin, dann könnte man quasi
00:28:12: noch mal den Wirkstoff wechseln oder man sagt, nee, wir haben es ausprobiert, das war nix. Aber
00:28:16: so aus den Trainings kann ich auf jeden Fall rückmelden, dass das in den seltensten Fällen
00:28:21: vorkommt, dass Eltern sagen, nee, also das war nicht gut, dass wir das gemacht haben, sondern die
00:28:26: meisten sagen, gut, dass wir es gemacht haben, schade, dass wir es nicht noch ein Jahr früher
00:28:29: gemacht haben. Was hätte unserem Kind das an Leiterspart? Ja, das ist tatsächlich auch mal die
00:28:34: Erfahrung, die ich aus den Beratungen habe, dass es ein sehr langer Weg ist, diese Entscheidung zu
00:28:40: treffen. Die machen wir Eltern uns nicht leicht. Dann braucht es manchmal ein bisschen beim Einstellen.
00:28:45: Ja, das auch, genau. Und manchmal muss, darf man auch genauer hingucken. Also ich habe gerade eine
00:28:51: Familie im Kopf, da merkt man es halt vor allem, wie das Kind sich nach dem Unterricht verhält. Es hat
00:28:57: wieder Kapazitäten für Freizeit. Es spielt wieder mit Geschwistern, ohne die die ganze Zeit zu
00:29:02: drangsalieren, weil dieses Kind einfach vorher alles, alles eben, also ich finde eine Preisfrage
00:29:08: wieder supergut. Zu welchem Preis? Oder wenn ich sozusagen auch das, was du von deiner Schulzeit
00:29:13: beschrieben hast. Du warst sicherlich eine leistungsstarke, gute Schülerin. Aber zu welchem Preis?
00:29:19: Ja. Blutig gebissene Lippen, Badewannen vollgeweint, Bauchschmerzen. Und wenn man diesen Preis reduzieren
00:29:26: kann durch ein Medikament. Was viel Mythos drumherum ist. Aber da lohnt es sich auf jeden Fall,
00:29:34: sich nochmal zu erkundigen, was zeigen die Studienlagen und so. Das macht nicht abhängig, das
00:29:39: macht nicht süchtig. Also das ist ja auch Wissen. Also auch da ist ein Unterschied. Ich habe vor 20
00:29:44: Jahren meine Ausbildung gemacht, habe ich auch noch andere Sachen gelernt. Die Medikamente werden
00:29:50: ja gegeben. Da gibt es gute Studien. Da ist dann der Preis der Magen, Schleimhauten höher sozusagen.
00:30:00: Absolut. Und ich weiß ja auch, dass viele dieser Vorurteile, gerade dieses ja ihr stellt euer Kind
00:30:06: ruhig und der merkt da nichts mehr, das sollen wohl alles irgendwie ruhig gestellte Zombies sein.
00:30:09: Ich kann mir vorstellen, dass das einfach aus alten Zeiten kommt. Wir dosieren ja diese
00:30:14: Medikamente heute nicht mehr so wie früher. Früher, also wirklich straff nach Gewicht. So was wiegt
00:30:19: das Kind, okay, dann die und die Dosis. Das ist ja heute ganz anders. Also heute dosiert man ja wirklich
00:30:25: von minimalsten Dosisbereichen von zweieinhalb bis fünf Milligramm, wochenweise langsam und
00:30:30: geduldig auf, dass man eben von unten an einer Dosierung dran ist, wo man sagt, ja, jetzt kann
00:30:36: unser Kind an sein Potenzial rankommen. Jetzt hat es nicht mehr jeden Mittag nach der Schule zu Hause
00:30:41: ein Totalzusammenbruch, weil es eben seine ganzen Federn schon morgens in der Schule gelassen hat
00:30:46: und für Nachmittag gar keine Ressourcen mehr hat. Und jetzt haben wir vielleicht auch ein Anführungszeichen
00:30:52: normales Familienleben. Wir können normal miteinander reden. Wir müssen nicht wie auf
00:30:56: Eierschein um unser Kind rumschleichen immer in der Panik vom nächsten Meltdown, sondern einfach die
00:31:02: Stressschwelle bei unserem Kind, die ist viel höher. Also es kann auch viel mehr Reize tolerieren,
00:31:07: bis es wirklich irgendwann mal überfordert ist. Also überfordert ist jeder Mensch irgendwann mal.
00:31:11: Darum ging es ja auch nie, Kinder emotional totzuschalten, sondern es geht im Gegenteil
00:31:21: darum, die Welt weniger überfordert für sie zu machen. Und es ist ohne Medikation eben bedeutend
00:31:28: schwieriger, mit dieser Welt zu Recht zu kommen. Und das kann ich ja nun wirklich als selbstbetroffene
00:31:34: Person so sagen. Fühlst du dich als Zombie unter Medikamenten? Nein. Nein. Ich fühle mich unter
00:31:42: Medikation zum ersten Mal lebendig. Also die Medikation hat mich lebensfähig gemacht. Also ich
00:31:48: habe alle Gefühle, die ich vorher auch hatte, aber ich habe sie nicht andersrum. Vorher hatten sie
00:31:54: mich. Also jedes Gefühl war von der Intensivität zerstörerisch und es hat teilweise Stunden,
00:32:01: bis manchmal sogar Tage gedauert, bis ich gedanklich mit einer Sache abgeschlossen hatte. Ich
00:32:06: kam gar nicht mehr hinterher, meine Gefühle zu verarbeiten, weil die einfach 580 Extrarunden
00:32:11: in meinem Kopf gedreht sind, bis sie endlich mal sich beruhigt haben. Also Menschen mit ADRS
00:32:17: hängen eben auch einfach viel, viel länger in ihren Emotionen und die sind auch intensiver. Und
00:32:20: seitdem ich eben die Medikation habe, bin ich lebensfähig. Ich habe Gefühle, so wie andere
00:32:26: Menschen auch, die kommen und gehen. Mit manchen habe ich mehr zu knapsten, mit anderen weniger. Das
00:32:31: ist das Menschsein. Das ist ja das ganz normale Leben, dass uns manche Dinge mehr belassen,
00:32:35: andere weniger. Aber es kontrolliert mich nicht mehr.
00:32:37: Wir haben jetzt über einige Herausforderungen rum um ADHS gesprochen. Ich würde dich gerne mal
00:32:49: fragen, für was bist du deiner ADHS denn dankbar? Ja, dankbar bin ich meinem neurodivergenten
00:32:57: Gehirn auf jeden Fall für die Hyperfokus und Spezialinteressenfähigkeit. Also das ist was
00:33:04: ohne diese Fähigkeit könnte ich oder würde ich meinen Job wahrscheinlich gar nicht so machen,
00:33:09: weil ich habe halt schon mit sechs, sieben Jahren in den Ferien ja am liebsten Zeit in
00:33:16: meinem Zimmer gesessen über Medizinlexika und Psychologie war auch schon ganz, ganz früh mein
00:33:20: Spezialinteresse und das hat eben auch ja dazu mir weitergeholfen, dass ich eben in meinem Beruf
00:33:27: damals gelernet bin als medizinische Fachangestellte und das hat mir eben auch ermöglicht, so tief
00:33:33: in dieses Thema einzutauchen und mit dieser sprühenen Leidenschaft, die ich einfach für
00:33:37: dieses Thema habe, auch jetzt jeden Tag ja Menschen unterstützen zu dürfen. Das ist das
00:33:42: größte Geschenk für mich und da fließt wirklich mein ganzes Herzblut rein und dafür bin ich
00:33:47: extrem dankbar. Auch dafür zahle ich ein bisschen so ein Preis, weil alle die selbst ADHS haben oder
00:33:55: eben auch autistisch sind oder beides, die wissen, dass man diesen Hyperfokus oder diese
00:33:59: Spezialinteressen nicht auf Wunsch an und einfach wieder abschalten kann. So und wenn ich dann
00:34:04: erstmal abtauche in den Hyperfokus, dann kann das sein, dass ich statt bis 22 Uhr dann bis
00:34:08: 4 Uhr morgens an dem Vortrag sitze und während der Zeit vergesse zu trinken und dann nächsten
00:34:14: Tag völlig im Hangover bin. Also da muss man immer gucken, wie kriege ich mich dann da auch
00:34:18: rechtzeitig wieder raus, aber das ist auf jeden Fall, würde ich sagen, eine große Stärke bei mir.
00:34:21: Ja, also ich nenne das gerne Autobahn, wenn man da auf der Autobahn ist. Und das ist ein wunderschönes
00:34:28: Gefühl und genau für mich genau sozusagen, dass ADHS dann noch mit anderen rumnörden,
00:34:35: sozusagen mit diesem ADHS und diese Autobahn und ich glaube, das ist auch etwas, was meine
00:34:42: Erfahrung ist oder auch ein Schwerpunkt ist, wenn ich Schulfamilien begleite, dass diese Kinder immer
00:34:47: auch diese Bereiche haben, wo sie ihre Autobahn leben dürfen, wo sie den Platz hat und eine
00:34:53: gemeinsame bekannte Freundin Saskia von Liniert kariert, die sagt das so sehr gerne und diesen
00:34:59: Satz liebe ich und finde ich ihn ganz wichtig, Schule ist nur das halbe Leben. Schule ist nicht
00:35:03: das ganze Leben. Und auch wenn das neue und divergente Gehirn nicht immer optimal in den
00:35:08: Kontext Schule passt, dass wir gut aufpassen auf die Autobahnen, auf die Hyperfokus,
00:35:14: über auf die Spezialinteressen unserer Kinder, dass es diesen Bereich gibt und den ich spüre,
00:35:22: also dass du das jetzt gesagt hast, dass du da dankbar bist, das ist absolut, das ist ein so gutes
00:35:28: Gefühl. Ja, das ist die tiefste Form der Regulation, wenn ich, man fühlt sich glücklicherweise auch
00:35:34: nie wie Arbeit an. Also nun man man zieht daraus und es zieht nicht an einem, sondern man zieht
00:35:39: selber Kraft daraus und je mehr man abtaucht, desto mehr Kraft zieht man, also das kann nicht jeder
00:35:45: von sich behaupten mit seiner Arbeit, deswegen ist mir das auch ein großes Privileg, das weiß ich,
00:35:49: dass ich überhaupt so arbeiten kann. Aber das wünsche ich wirklich jedem Menschen. Genau,
00:35:55: manchmal merkt man eben, wie du sagst, das merke ich auch am nächsten Morgen, merkt man,
00:35:58: dass die Autobahn ein bisschen lang war. Buch schreiben, da warst du sicherlich auch häufiger
00:36:04: auf der Autobahn, aber bist du immer direkt auf die Autobahn oder war es auch manchmal schwierig,
00:36:09: die Autobahn zu finden? Was hast du denn gemacht? Also ich war eigentlich, ich hatte immer so ein
00:36:13: bisschen Schwierigkeiten, reinzukommen zwischen, ja zwischen meiner täglichen Arbeit und meinem
00:36:19: Mutter da sein und Haushalt und meinen beiden Katzen, die ich immer meine Schäfte nenne, ja
00:36:25: und Mann und Haus und Hof und so weiter, erstmal reinzukommen, weil ich muss halt vorher wissen,
00:36:30: dass ich dann auch Zeit habe. Also ich habe das wirklich in Etappen geschrieben, ich habe
00:36:36: manchmal drei Wochen gar nicht geschrieben und dann ein ganzes Wochenende am Stück,
00:36:40: wo ich wirklich gesagt habe, mach was ihr wollt, fahrt weg, ich bleib zu Hause und dann habe ich
00:36:44: wirklich samstagmorgen nach dem Kaffee, habe ich mir hier für den ganzen Tag Essen, Snacks und
00:36:48: Getränke hingestellt, dass ich wusste, ich muss maximal zwischendurch mal Pipi, aber ansonsten
00:36:53: kann ich wirklich durchschreiben und dann habe ich teilweise wirklich ein ganzes Wochenende plus
00:36:57: Feiertag durchgeschrieben. So, so läuft das bei mir am besten. Weil dieses Umswitchen, also sich
00:37:03: auch eine Tätigkeit lösen und in einen anderen Modus rein, das ist ja eben das, was Bader ist
00:37:07: auf Schwerfeld und das sieht man dann natürlich auch bei Schulkindern, gerade in dieser 45 Minuten
00:37:12: Unterrichtszaktung, aber so habe ich das eben gemacht. Ja, das ist spannend. Ich frag mich,
00:37:18: bei mir, ich habe genau das Buch hier über längerer Zeit geschrieben, zusammengeschrieben,
00:37:22: habe ich es in der härtesten Zeit eigentlich meines Lebens oder einer harten, also mitten in der
00:37:27: Trennung sozusagen und ich hatte tatsächlich gar nicht diese Zeitfenster und habe es oft mitten im
00:37:34: Kopfhörer auf und mitten im Trubel und für mich war aber, glaube ich, also ich kann zum Beispiel
00:37:42: auch mit Musik, also ich brauche immer noch ein bisschen was anderes, was mein Dopamin auch anhaltst.
00:37:46: Ich darf nicht ganz allein auf dieser Autobahn sein und sozusagen die Kopfhörer und Leben um mich
00:37:52: herum gingen auch immer wieder die Autobahnen sozusagen ein Stückchenweise. Ja, okay, ja super,
00:38:01: also genau mit Musik habe ich das auch gemacht, ich habe eine spezielle App, die liebe ich total,
00:38:04: also die hilft mir noch mal mehr in diesen Flow reinzukommen, aber Respekt, also so im Alltagstrubel
00:38:11: nebenbei, ich habe natürlich auch ab und zu mal, wenn ich wieder dachte, oh Gott, die Deadline ist
00:38:16: bald, jetzt muss ich aber wirklich am Ende, kleiner Spoiler, habe ich es ein Monat vor der
00:38:20: Abgabe frisst abgegeben, weil ich dann wirklich im Akkord geschrieben habe, weil ich da viel Zeit
00:38:25: hatte und abtauchen durfte, aber ansonsten also so zwischendrin im Alltagstrubel hätte ich das
00:38:30: jetzt nicht geschafft, also ich werde dann auch richtig biestig, wenn ich dann in einer Sache
00:38:34: drin bin und dann kommt jemand und fragt mich nur, wo liegt die Packung Tos, ich könnte aus der Haut
00:38:38: fahren, ich könnte wirklich ausflippen und um mich schlagen, ja, aber also ich kann es nachvollziehen
00:38:43: mit der Musik. Ja, aber ich glaube und das ist eben auch spannend, deshalb habe ich das auch nochmal
00:38:48: erzählt, genau, der wirkendes Gehirn ist nicht immer, also die Strategie sieht nicht immer ganz
00:38:53: gleich, aber es ist total wertvoll eben zu verstehen, zu verstehen, wie man funktioniert. Du
00:38:58: hast verstanden, du brauchst diese lange Autobahn und ich weiß für mich, ich kenne die langen
00:39:03: Autobahnen schon auch, aber auch wenn ich hier arbeite, ehrlich gesagt, eine Aufgabe alleine
00:39:07: reicht mir nicht, das sagt mein Gehirn irgendwie ab. Ich habe, ich brauche dann, also wenn ich merke,
00:39:13: auch wenn ich dann im Urlaub bin, dann fällt mir plötzlich ein, ich könnte das noch machen,
00:39:16: ich könnte das, also für mich ist es ein Balanceakt, ich darf mich nicht überladen,
00:39:20: da bin ich auch erledigt, aber wenn ich zu wenige Aufgaben habe, dann fängt mein Gehirn an,
00:39:25: 1.000 neue Ideen zu erlangen. Das ist ja nie Ruhe. Ja, ich finde, das ist ein schwieriger Punkt für
00:39:34: viele, also für mich zumindest auch, da die Balance zu finden, also wie viel brauche ich, damit ich
00:39:40: gut zu Recht komme und ab wann ist es so viel, weil viele ja auch dieses zu viel dann erst merken,
00:39:46: wenn es eigentlich schon zu spät ist. Also wenn man auf einmal gar nichts mehr kann, dann merkt man auch,
00:39:50: das war wieder zu viel. Aber so mittendrin erstmal zu gucken, kann ich das gerade realistischerweise
00:39:55: schaffen, was ich mir hier alles gerade vornehme, oder bin ich am Ende dann wieder voll in den
00:39:59: Selbstzweifeln, wenn es nicht geklappt hat, weil das von vornherein vielleicht total unrealistisch war.
00:40:04: Ich finde diesen Ballonsakt, das ist echt eine Herausforderung. Das spielt genau bei mir im
00:40:10: Bodiment eine große Rolle. Und hier nochmal den Schwung zu den Schulkindern, das eben, wenn das
00:40:16: Gehirn etwas so tickt wie meins, habe ich eben ganz oft auch in den Beratungen, dass es den Kindern
00:40:22: hilft, neben den Hausaufgaben her ein Hörbuch zu hören. Unbedingt. Also dass wir auch da offen sind
00:40:28: und dieses Gehirn verstehen und ich sage, du hast ADHS, du kannst dich sowieso nicht konzentrieren,
00:40:32: also musst du in einem total reizarmen Raum sein. Absolut. Eigentlich ja. Aber manchmal nein. Ja,
00:40:38: ja, beides, beides gleichzeitig. Ja, das ist auch die, ja genau, ich habe ja auch die Online-Kurse
00:40:46: und in dem Kurs ADHS und Schule Teil 2, da sage ich das auch, wo es auch um das Thema Hausaufgaben
00:40:50: geht. Weil viele Eltern sagen, nee, also Hausaufgaben, so, jetzt aber hier Musik aus, wo soll
00:40:54: es sich jetzt konzentrieren? Und hier am Küchentisch und hier ist auch sonst nichts, so, mach
00:40:58: mal jetzt, auf Kommando, jetzt wird sich hier konzentriert und das haut in den seltensten Fällen
00:41:03: hin. Und ich sage auch zu den Eltern, seid mutig, stellt die Turni-Box daneben, macht das Lieblingshörbuch
00:41:07: an, es sollte möglichst eins sein, was die Kinder eh schon 800 mal gehört haben. Oft ist es ja so,
00:41:11: dass neue, divergente Kinder auch ein, zwei, drei Hörbücher immer wieder, immer wieder,
00:41:16: immer wieder hören. Ich würde jetzt nicht unbedingt die allerneuste Folge KKG oder
00:41:20: irgendwas anmachen, wo man dann gespannt zuhört, aber lasst das ruhig laufen. Und wenn euer Kind
00:41:25: das lauter macht, dann lasst euer Kind das lauter machen. Ihr werdet euch wundern, wie gut euer
00:41:30: Kind dabei Hausaufgaben machen kann. In den meisten Fällen ist das tatsächlich so. Weil das Gehirn hat
00:41:37: dann schon mal eine Hintergrundstimulation und fängt dann eben nicht selber an zu suchen. Weil die
00:41:42: Kinder nehmen sich ja auch ihre Minipausen selber, das beobachtet man dann, fangen sie an, aus dem
00:41:47: Fenster zu gucken, zerschneiden das Radiogummi auch so im Unterricht. Das ist einfach die Suche
00:41:52: des Gehirns nach Stimulation. Und das können Lehrkräfte auch machen. Sie können einfach
00:41:57: nicht JBL-Box oder irgendwas aufstellen mit klassischer Musikleis im Hintergrund. Einfach
00:42:02: dass schon mal eine Hintergrundbespaßung quasi läuft, sodass die Kinder dann nicht
00:42:06: automatisch selbst auf Suche gehen. Ja, ganz genau. Vielleicht kann ich hier genau als klein bei
00:42:13: uns macht es einen großen Unterschied, wie die Stimmung beim Frühstück ist, ob da klassische
00:42:17: Musik im Hintergrund ist oder nicht. Ja, für all die sind noch eine Delegentenkapfel. Melanie,
00:42:23: ich danke dir total. Das war total spannend und total schön. Und ja, es wurde glaube ich
00:42:30: noch mal sehr deutlich, eben wie wichtig es ist, zu verstehen, wie das neue Delegentegehirn läuft,
00:42:35: dass es genau um die Steuerung geht, um die Reizverarbeitung geht. Und wenn wir das verstehen,
00:42:41: dann verstehen wir auch, warum Schule an manchen Ecken sehr herausfordernd ist für unser Kind.
00:42:46: Nicht, weil es das nicht kognitiv versteht, sondern weil es einfach für das Gehirn nicht optimal
00:42:50: gemacht ist. Genau. Und dann können wir Schritte finden, wie wir Lösungen anpassen, können,
00:42:57: wie wir genau mit Stimulationen, mit Ringen machen können. Wir können Musik einbauen und so was.
00:43:04: Und das darf der Weg sein, den wir für unsere großen Delegentengehirne üben und eben mit den
00:43:11: Kindern, wir den Kindern dabeistehen dürfen. Ja. Und ich bin super, super gespannt auf dein Buch.
00:43:17: Ich auch auf deins. Ja, es ist sehr aufregend, finde ich. Du hast ja das schon durchlaufen,
00:43:26: diesen ganzen Prozess. Ich finde es wahnsinnig spannend, so zu beobachten, wie so ein Buch entsteht.
00:43:29: Also es war ja, es ist ja schon immer mein Kindheitstraum auch gewesen. Ich hätte ja nie gedacht,
00:43:33: dass das wirklich mal irgendwann wahr wird. Ja, ich freue mich auf dein Buch, ich freue mich auf
00:43:36: mein Buch und auf alles, was noch so kommt. Der Prozess ist schön. Gestern habe ich den Umschlag
00:43:41: bekommen und dann mal gucken und kommt da nochmal ein Raketenkind hin. Es geht auch um Raketen bei mir.
00:43:47: Das wird spannend. Also ich arbeite in meiner Arbeit generell ja auch gerne mit inneren
00:43:53: Bildern. Ich finde visuelles Ankot sich viel besser hin und jetzt werden da richtig professionell,
00:44:03: richtig schönes Skizzen gemacht. Das sieht man ja auch, stimmt, auf dem Cover sieht man das ja auch
00:44:09: schon, dass die Regulationsübungen, die da sind und aber da ist auch noch ein Modell, wo eben auch
00:44:14: Raketen, um die Rakete müssen wir uns noch kümmern. Das haben wir nämlich gerade auch noch gemerkt.
00:44:18: Also manchmal fällt einem eben so etwas ein. Also es ist sehr spannend. Ja, absolut. Und man merkt
00:44:25: hier genau zwei ADS-Gehörne, die auf ihrer Autobahn kommen. Ja, ich finde auch, dass wir
00:44:30: zwischendrin ganz schnell gesprungen sind. Ich hoffe trotzdem, dass die Hörer da uns irgendwie
00:44:34: folgen konnten. Wahrscheinlich sind da auch einige Neurodivergente dabei, für die ist das
00:44:38: wahrscheinlich keine Herausforderung. Genau. Ich glaube, man kann sagen, wenn man die Art,
00:44:44: wie wir miteinander gesprochen haben und eintauchen mag und da gut mitkommt, darf man mal gucken.
00:44:49: Ja, genau. Danke liebe Melanie. Ja, ich danke dir für die Einladung. Bis dann. Tschüss. Endlich ein
00:44:59: Gespräch unter normalen Leuten. Das haben Melanie und ich gerade nochmal gesagt, als wir nach der
00:45:06: Podcastfolge noch ein bisschen weiter gesprochen haben. Zwei Menschen auf ihrer Autobahn und wenn
00:45:13: die zusammenpasst, die Autobahn, die Spezialinteressen, diese Fokus, den haben wir, adhs. Total doll. Die
00:45:22: hat auch dein Kind und so herausfordernd wie Schule immer sein mag an manchen Ecken und
00:45:28: Enden und mal mehr oder mal weniger. Achte du bitte darauf, dass dein Kind immer dieses,
00:45:32: dieses ja so befriedigende Gefühl seines Spezialinteressen seiner Autobahn kennt. Wenn die
00:45:41: Wellen und der Sturm bei euch gerade groß ist, holt euch die Unterstützung. Du musst da nicht
00:45:48: alleine durch. Gerne gebe ich dir und eurer Familie Sicherheit und Halt. Mit beim Coaching und mit
00:45:55: meinem Buch "Starke Gefühle, starke Halt", das am 22. Oktober 25 erscheint und du es dir jetzt
00:46:03: schon vorstellen kannst. All diese Vorbestellungen sind für mich als Autorin sehr hilfreich,
00:46:08: weil das einfach ein Signal an den Buchhandel ist. Also bestellt sie ihr gerne vor und freu
00:46:13: dich auf die nächste Folge. Bis bald.
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